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Rhein - Zeitung
Altes Gemäuer fein herausgeputzt
 
Berliner Landesvertretung zeigt "Preußische Facetten: Rheinromantik und Antike" - Ausstellung auch in Trier und Koblenz. Er gehört in die Kette der Herrscher, die ihre Regierung auf Pracht, Prunk, Glanz, Geist und Kunst abgestellt haben: Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861). Dieser als "Romantiker auf dem Thron" bekannt gewordene Herrscher steht im Mittelpunkt einer Wander-Schau, die am 29. März in der
Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin eröffnet wird und "Preußische Facetten: Rheinromantik und Antike" zum Thema hat.
Von Wolfgang Kroener
BERLIN/KOBLENZ. Künstler und Wissenschaftler rief Friedrich Wilhelm IV. ins Land, pflegte die "königliche Kunst" - die Baukunst. Preußen sollte "ins Auge fallen", wie das Athen des Perikles. Und ein Abglanz der Majestät sollte für alle Zeiten auf dem Land liegen. Am liebsten baute er Altes auf. Am Rhein - hier fängt die Idee zur Ausstellung an - fand der Herrscher ein weites Feld. Zur Erinnerung: Die nördlichen Regionen des heutigen Rheinland-Pfalz waren von 1815-1947 Teil der preußischen "Rheinprovinz". Koblenz avancierte 1822 zu deren Hauptstadt.
Der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel stellte zusammen mit Friedrich August Stüler die Ruine Stolzenfels bei Koblenz von 1836 an als Normannenschloss wieder her. Der damalige Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. hatte sie 1823 als Geschenk der Stadt Koblenz erhalten. Burg Stahleck über Bacharach und die verfallene Marienburg wurden "restauriert". Bei der kurz vor dem Verfall stehenden Matthiaskapelle von Kobern-Gondorf leitete der feinsinnige König Rettungsmaßnahmen ein.
Burg Sooneck über Niederheimbach wurde 1834 von den Hohenzollern erworben und von 1842 an nach Plänen des Militäringenieurs Karl Schnitzler wieder aufgebaut. Im Gegensatz zum fast südländisch heiteren, ockergelben Stolzenfels mit seinem Pergolagarten, seinen Terrassen, ist Sooneck ein bescheidener, militärisch strenger Wehrbau. Friedrich Wilhelm IV. nutzte ihn als Jagdschloss.
Auch im Trierer Raum war der Preußenkönig aktiv. Auf seine Initiative wurde von 1848 an die Palastaula in ihrer ursprünglichen Größe und Stilreinheit wieder aufgebaut - die altchristliche Basilika galt nun als Zentrum der evangelischen Trierer Gemeinde. Auch die Freilegung der antiken Porta Nigra, die Rückumwandlung der Stiftskirche des heiligen Einsiedlers Simeon in ein Stadttor (von Napoleon 1804 verfügt) wurde vom preußischen Staat fortgeführt.
Zwei weitere Beispiele für königliche Initiativen im Trierer Raum: Es entstanden biedermeierliche, bis heute erhaltene Schutzhäuser über den um 1825 entdeckten Mosaiken der Villa Otrang bei Bitburg. 1833 erhielt der Kronprinz die Klause - eine Kapelle mit Wohnung im/am Felsen hoch überm Saartal bei Kastel-Staadt als Geschenk. Durch Schinkel ließ er sie zu einer Ruhestätte und Gedächtniskapelle für König Johann den Blinden von Böhmen (1346 gefallen) ausbauen. Die Verschmelzung dieses neuromanischen
Baus mit der imponierenden Landschaft ist geprägt von der Welt der Romantik.
Dieser König hat Teile unserer Landschaft entscheidend geprägt - die Wanderausstellung "Preußische Facetten: Rheinromantik und Antike" (es werden u.a. Modelle von restaurierten Bauten gezeigt) - stellt dies quasi in Kompaktform unter Beweis. Natürlich gab es auch Kritiker der Aktivitäten von Friedrich Wilhelm IV.: So heißt es u.a., dass der König einen Kult der Antiquität veranstaltete, Wohnungen für Erinnerungen, nicht aber für Menschen baute. Ganz so ernst, ganz so gewichtig sollte man eine
derartige Bemerkung nicht nehmen. Die positiven Seiten sind absolut ausschlaggebend.
Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz in Berlin, In den Ministergärten 6, 30.3.-6.5. Die Termine für Trier (Sommer) und Koblenz (September) stehen noch nicht fest. Themenführungen "Die Preußen am Rhein", Aspekt Koblenz, bei Koblenz-Touristik (Bahnhofsplatz 7, 56068 Koblenz) buchbar.
Tel. 0261/3038814 (Fax 3038811)
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